Zum Hauptinhalt springen
Meldungen aus dem Landesverband Thüringen
Meldungen aus dem Landesverband Thüringen

Von Gräberpflege, Feldbetten und Bremsenstichen

Geschichtsprojekt des Bülower Gymnasiums aus Neudietendorf

Die gesamte Gruppe nach der erfolgreichen Arbeit am oberen Waldfriedhof.

Eine Stunde verspätet ist es so weit: Alle Schülerinnen und Schüler des Bülow Gymnasium aus Neudietendorf, die sich freiwillig für dieses Projekt gemeldet hatten, sind im Schloss Glücksburg in Römhild angekommen. Während einige mit dem Auto in die Kleinstadt im Süden Thüringens gefahren wurden, haben andere den Weg per Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Schlussendlich fanden aber alle erwarteten Schülerinnen und Schüler den Weg zu unserer Unterkunft in den Gemeinderäumen des Schlosses, in denen die 17 Schülerinnen und Schüler, zwei Lehrkräfte und der Bundesfreiwillige des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für vier Nächte untergebracht waren. 

Ziel des Geschichtsprojektes, welches vom 28.6. bis 2.7.2026 stattfand, war die thematisch begleitete Reinigung und Instandhaltung von Kriegsgräbern unweit der Stadt Römhild. Viel mehr wussten wir noch nicht über unsere Arbeit, als wir am Sonntagabend anreisten. Nachdem alle die Feldbetten aufgebaut hatten, in denen wir, die Woche über schlafen würden, gab es erst einmal ein stärkendes Abendessen, welches besonders die Fahrradfahrer dankend annahmen. Das Radfahren bei knapp 40°C war auch für die motiviertesten Jugendlichen unter uns eine echte Herausforderung!

Nach dem Essen bekamen wir schließlich eine thematische Einführung - und somit ein genaueres Bild von unseren Aufgaben.
 

Arbeit auf den Waldfriedhöfen

Wir würden zwei Waldfriedhöfe wieder aufbauen, auf denen Opfer eines Arbeitserziehungslagers aus der NS-Zeit beerdigt sind. Früher gab es einen Zaun, sowie eine Gedenktafel auf dem oberen Waldfriedhof, welche wir ab Montag erneuern würden. Nachdem wir eine mehr oder weniger angenehme Nacht auf den Feldbetten verbracht hatten, wurden wir am Morgen von der Feuerwehr und dem Katastrophenschutz zu unserem Arbeitsplatz gefahren und begannen unter der Anleitung einer Baufirma und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit den Arbeiten. 

Alle arbeiteten zusammen: Materialien tragen, Gras harken, Wege freischneiden, Zaun bauen. Es gab genug zu tun. Durch die Arbeitsgruppen, welche sich auf den oberen und unteren Waldfriedhof aufteilten, konnten wir alle Aufgaben bis Donnerstag erledigen und zusammen mit Vertretern der Stadt die neue Gedenktafel auf dem freigelegt und neu umzäunten oberen Waldfriedhof einweihen.

Abseits der Arbeit

Neben unserer körperlichen Arbeit an den Vormittagen besuchten wir an den Nachmittagen ein Museum sowie den Zentralfriedhof in Hildburghausen, über den uns Herr Dr. Heyn führte und uns die Kriegsgräber und Geschichte Hildburghausens näherbrachte. 

Auch ein gemeinsamer Filmabend, an dem wir „Der Junge in gestreiften Pyjama“ schauten, fand statt. Unsere Freizeit verbrachten wir damit, die Stadt Römhild zu erkunden. Dabei fanden wir nicht nur einen See, sondern auch einen Volleyballplatz, der von da an ein täglicher Anlaufpunkt werden sollte. 

Um das Essen kümmerten wir uns gemeinsam, indem für jede Mahlzeit Dienste zugeteilt wurden. Dank Frau Meyers guter Planung gab es jeden Tag Gerichte, mit denen am Ende alle zufrieden waren. Ganz besonders gut gefiel allen der gemeinsame Grillabend am Mittwoch, der die Woche ausklingen ließ. Mit Herrn Leibrocks Unterstützung gab es Bratwurst, Grillspieße, Käse und Mais für alle. 

Letzter Tag

Am Donnerstag wurden der neu umzäunte und freigelegte Friedhof und die dazugehörige Gedenktafel zusammen mit Vertretern der Stadt Römhild eingeweiht. Danach hieß es nur noch packen, Betten abbauen und putzen, bevor wir die Heimreise antraten. 

Bei gemeinsamen Unterhaltungen stellten wir fest, dass ein Großteil die Reise sehr bereichernd und interessant fand. "Ich hätte nicht gedacht, dass es doch so cool wird!", und "(…) insgesamt hat es wirklich Spaß gemacht", waren einige der Aussagen, die fielen. Nur die Feldbetten werden wohl alle eher weniger vermissen und vielleicht noch die unzähligen Mücken, Bremsen und Zecken, welche uns während der Arbeit das ein oder andere Mal doch ein wenig zu viel wurden. 

Trotzdem bleiben uns die neuen Erfahrungen sicher hauptsächlich positiv im Gedächtnis!

Enja Geßler