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Meldungen aus dem Landesverband Thüringen
Meldungen aus dem Landesverband Thüringen

Reisebericht Kreta vom 20. Mai bis 28. Mai 2026

Eine einmalige Mischung aus Militärhistorik, Erinnerung, Mahnung und griechischer Kultur

Die gesamte Reisegruppe auf dem Friedhof in Maleme


Tag 1 – Hinflug von Leipzig/Halle nach Heraklion 

Am Mittwoch machten sich mein Vater Henri und ich von Mecklenburg-Vorpommern aus auf den Weg in Richtung Süden zum Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurden wir – ebenso wie die weiteren 13 Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer – bereits von unserem Reiseleiter Sebastian Fehnl vom Landesverband Thüringen begrüßt. Er gab uns erste Informationen zum Ablauf der Reise. Pünktlich um 19:35 Uhr starteten wir mit Marabu Airlines in Richtung Kreta. Nach einem angenehmen Flug landeten wir gegen 23:40 Uhr auf dem Flughafen von Heraklion. Vor Ort erwartete uns bereits unsere örtliche Reiseleiterin Eirini Kastellianaki, die uns mit einem herzlichen „Kalispera“ (Guten Abend) willkommen hieß. Nach einer kurzen Busfahrt zum nahegelegenen Hotel Marin ging ein langer Reisetag zu Ende, und alle fielen erschöpft in die Betten. 

 

Tag 2 – Chania

Der zweite Tag begann gegen 8:00 Uhr mit einem Frühstück und einem wunderbaren Blick über den Hafen von Heraklion – bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 21°C. Anschließend fuhren wir mit unserem Busfahrer Savas über die Nationalstraße entlang der Küste westwärts nach Chania. In der Nähe der bekannten Souda-Bucht erwartete uns der erste Programmpunkt des Tages: die Besichtigung eines der größten Raketen- und Flugabwehr-Trainingsplätze der NATO, kurz NAMFI. Oberstleutnant Heiko W. begrüßte uns dort und gab uns einen umfassenden Einblick in die Anlage sowie in seine Arbeit vor Ort. Er ist Verbindungsoffizier und nun einige Jahre auf Kreta stationiert. Unsere Fragen beantwortete er ausführlich und geduldig. Im Anschluss setzten wir unsere Fahrt in Richtung Altstadt von Chania fort – natürlich nicht ohne den einen oder anderen kurzen Fotostopp. 

Nach dem Einchecken im Hotel Arkadi und einer kurzen Pause trafen wir auf die Historikerin Anja Zückmantel, die seit über 20 Jahren auf der Insel lebt und arbeitet. Gemeinsam mit ihr erkundeten wir die Altstadt von Chania. Dabei führte sie uns in die Geschichte Kretas ein und spannte den Bogen bis zum deutschen Angriff am 20.05.1941. Beim gemeinsamen Abendessen ließen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren. 

Tag 3 – Tavronitis, Kloster Gonia, Kakopetros, Floria und Kandanos

Der Tag begann mit einer Fahrt zur historischen Brücke über den Fluss Tavronitis. Dort erwartete uns bereits Sean Johnstone, ein ehemaliger Offizier der Royal Navy. Während der „Operation Merkur“ war die Brücke hart umkämpft; bis heute ist sie als frei zugängliches Mahnmal erhalten und trägt sichtbare Spuren der damaligen Kämpfe. Anschließend gingen wir nur wenige Meter weiter zur Andachtsstätte der Royal Air Force, wo wir das neu gestaltete Memorial besuchen durften. Sean berichtete von seinen Recherchen zu einem der Gefallenen, „ACI Hess“, und dessen persönlichem Schicksal. Dieser Soldat kämpfte während des 1. Weltkrieges auf Seiten des Deutschen Kaiserreiches, war Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klasse und emigrierte schließlich 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozilisten nach Palästina. Mit Beginn des 2. Weltkrieges meldete er sich dann freiwillig zum Militärdienst auf Seiten Großbritanniens. Während Seans Erzählung wurde deutlich, dass dieser Soldat genau an diesem Tag vor 85 Jahren – nahezu zur selben Uhrzeit – in unmittelbarer Nähe gefallen war. Ergriffen hielten wir inne und legten eine Schweigeminute ein. Unser Reiseteilnehmer Rainer sprach dabei das „Vaterunser“ auf Deutsch und Englisch. 

Anschließend ging es für uns weiter zum Denkmal der gefallenen griechischen Kadetten der Militärakademie. Sie hatten ihr Leben bei der Verteidigung der Insel gegen die deutschen Truppen während der Schlacht um Kretas gelassen. Die Gedenkstätte auf einem Berg bot einen eindrucksvollen Blick über die Bucht vor Maleme. 

In unmittelbarer Nähe dazu befindet sich das orthodoxe Männerkloster Gonia, das eine Zeit lang die Gebeine gefallener deutscher Soldaten aufbewahrte, bevor diese auf den deutschen Soldatenfriedhof Maleme umgebettet wurden. Unsere griechische Reiseleiterin Eirini gab uns hier einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte des Klosters und in den griechisch-orthodoxen Glauben. Anschließend setzte unsere Reisegruppe die Fahrt in den Süden der Insel in Richtung Kandanos fort. Dort angekommen, legten wir in der Taverne I Platia unsere Mittagspause ein. In dieser familiengeführten Taverne erwartete uns schon Samantha mit einer wunderbaren Auswahl authentischer kretischer Küche. Bei kretischem Salat, hausgemachter Moussaka und weiteren Spezialitäten wurde die Mittagspause zu einem besonderen kulinarischen Erlebnis. 

Bei aller Kulinarik durfte jedoch nicht in Vergessenheit geraten, welches Kriegsverbrechen am 3. Juni 1941 in diesem Dorf von Angehörigen der deutschen Wehrmacht begangen wurde. Kandanos wurde als Vergeltungsmaßnahme für die Tötung deutscher Soldaten durch einen Hinterhalt kretischer Widerstandskämpfer auf Befehl von Generaloberst Karl Student dem Erdboden gleichgemacht; mehrere Einwohner wurden ermordet. Zur Erinnerung sind Kopien der Originaltafeln, die von den deutschen Besatzern zur Abschreckung aufgestellt wurden, an einem kleinen Gedenkplatz in der Dorfmitte ausgestellt. Wie bereits an den anderen Gedenkorten hielten wir auch hier inne, legten eine Schweigeminute ein und legten Blumen nieder – zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer, unabhängig von ihrer Nationalität. Auf der Rückfahrt zum Hotel hielten wir noch an einigen kleineren Märtyrerdörfern, wo uns Anja Zückmantel weitere Geschichten zu den Kriegsverbrechen der deutschen Besatzer näherbrachte. Nun ging auch dieser prall gefüllte Tag langsam zu Ende und fand seinen Abschluss bei einem kühlen Bier in einer der zahlreichen Tavernen in der Altstadt von Chania. 

Tag 4 – Rethymno

An diesem Morgen ging es für uns nochmal in die Altstadt von Chania. Anja zeigte uns hier am Vormittag das jüdische Viertel und gab uns einen Einblick in das Leben und die spätere Vertreibung der Juden aus der Stadt. Anschließend ging es für uns in die Hafenstadt Rethymno im Norden der Insel. Hier zeigte uns Eirini die Stadt mit all ihren geschichtlichen Einflüssen aus der Alt- und Neuzeit. Nach vielen Schritten und etwas Shopping kehrten wir auf einen Tipp von Eirini hin wieder in eine kleine, aber feine Taverne ein, um der Mittagshitze zu entfliehen und einen wunderbaren griechischen Salat zu genießen. Am Nachmittag ging es für uns dann zum Soldatenfriedhof der Truppen des Commonwealth, wo die diesjährige Gedenkveranstaltung zum 85. Jahrestag des Angriffs auf Kreta stattfand. Zu der Veranstaltung waren viele Gäste aus dem In- und Ausland gekommen: Politiker, ranghohe Militärs, Angehörige von Gefallenen sowie die britische Prinzessin Anne, die Schwester von König Charles. Die Veranstaltung begann mit britischer Pünktlichkeit um genau 18:00 Uhr mit dem Überflug eines Transportflugzeugs vom Typ A400M der Royal Air Force sowie der „Red Arrows“, des Kunstflugteams der britischen Luftwaffe, das zu den besten der Welt zählt. Es folgten Gebete, Reden und Kranzniederlegungen der anwesenden Nationen und Veteranenverbände. Leider wurde bei all den Reden der einzelne dort verstorbene und bestatte Soldat vergessen. Man hätte auf einen Lebens- und Leidensweg eingehen können. Der offizielle Teil der Veranstaltung endete mit dem Überflug einer CH 47 Chinook. Anschließend nahm uns Sebastian noch mit zu einem Grab, um uns auch dort von einem persönlichen Schicksal eines gefallenen Soldaten zu berichten und auf die allgemeine Gestaltung eines Commonwealth Friedhofes näher einzugehen.  

Tag 5 – Maleme

Heute führte uns die nächste Gedenkveranstaltung auf den deutschen Soldatenfriedhof Maleme, der auf der historischen Höhe 107 liegt. Vor Ort begrüßte uns die Verwalterin des Soldatenfriedhofes Maleme Frau Giannikaki. Sie berichtete über die Geschichte und Entstehung des Friedhofes, erzählte Anekdoten aus ihrer Arbeit und stellte die neue Ausstellung auf dem Gelände vor. Im Anschluss an die Führung durch die Ausstellung hatten wir Zeit, uns die Gräber in Ruhe anzuschauen. Besonders berührend war der Besuch für unsere Mitreisende Gabi, die hier ihren gefallenen Onkel besuchte. Gabi gab uns einen kleinen Einblick in ihre Recherchen der vergangenen Jahre. Mit Hilfe der Gräbersuche des Volksbundes und des Bund Deutscher Fallschirmjäger e.V. – Suchdienst - konnte sie die letzte Ruhestätte ihres Onkels finden, sowie Hinweise aus dem „Gefechtsbericht Kreta“ des Generaloberst Student über seinen militärischen Einsatz erlangen. 

Ihr Onkel, der Oberjäger Rudolf Engel, wurde 1916 in Neudollstadt geboren. Bis Anfang des 2. Weltkrieges wohnte er mit seiner kleinen Familie in Hohendorf, einem kleinen Dorf in Ostpreußen, wo er als Arbeiter in der Grundmühle beschäftigt war. 1938 machte er die Ausbildung zum Fallschirmjäger auf dem Fliegerhorst Stendal-Borstel. Er gehörte der 10 Kp. des FJR 3 der deutschen Luftwaffe an. Am 20. Mai 1941, dem Beginn der „Operation Merkur“ wurde er mit seiner Kompanie in der Nähe von Chania, nordöstlich des Bergdorfs Galatas wie vorgesehen abgesetzt. Er geriet jedoch in den umkämpften Höhen um Galata in einen Hinterhalt und wurde mit dem Kompaniechef und einem Großteil seiner Kameraden am selben Tag getötet. Anschließend durften wir der Gedenkveranstaltung beiwohnen, bei der unsere Teilnehmenden Gabi und Rainer stellvertretend für den Volksbund einen Kranz niederlegten. Leider fehlten auch bei den offiziellen Reden hier die Bezüge zu einzelnen dort bestatten Soldaten. 

Zum Abschluss dieses intensiven Tages sahen wir den Dokumentarfilm „Tanais“ der griechischen Regisseurin Vicky Arvelaki. Darin geht es um die Versenkung des deutschen Gefangenentransportschiffs „Tanais“ durch ein britisches U-Boot und um die damit verbundenen persönlichen Tragödien. An Bord der „Tanais” befanden sich die kurz zuvor verhaftete jüdische Bevölkerung Kretas, eine Vielzahl italienischer Kriegsgefangener sowie Kreter, die verdächtigt wurden, den kretischen Widerstand zu unterstützen. 

Tag 6 – Heraklion

Am heutigen Morgen hieß es: Sachen packen und mit dem Bus zurück nach Heraklion fahren. Die letzten Tage auf Kreta sollten nun stärker im Zeichen der griechischen Geschichte stehen. Ein Besuch des minoischen Palastes von Knossos durfte daher nicht fehlen. Auch hier zeigte Eirini erneut ihr schier unendliches Wissen über ihr Heimatland – ein wahres wandelndes Lexikon. Anschließend schauten wir uns noch die Altstadt von Heraklion an, bevor wir in unsere neue Hotelanlage „Maris“ in Chersonissos eincheckten. Sie lag direkt am Meer und bescherte uns noch den einen oder anderen schönen Abend. 

Tag 7 – Spinalonga

An diesem Morgen ging es weiter gen Osten in Richtung Agios Nikolaos. Vorbei am Kloster Agios Georgios Selinari, an dem wir einen kurzen Stopp einlegten, fuhren wir zum Hafen von Elounda. Dort wartete bereits ein Boot auf uns, das uns zur Insel Spinalonga brachte. Die Insel galt unter anderem bis 1957 als eine der letzten Leprakolonien Europas. Nach einer spannenden Führung über die Insel und der Rückkehr nach Elounda war es Zeit für das Mittagessen. Eirinis Empfehlung war erneut Gold wert. Ein Teil der Gruppe entschied sich für „Mezedes“ – vielfältige kleine griechische Vorspeisen, ideal zum Teilen und Verkosten. Anschließend blieb noch kurz Zeit, bei angenehmen 23 °C Wassertemperatur ins Meer zu springen. Savas, unser Busfahrer, wartete bereits, um uns nach Agios Nikolaos zu bringen. Dort erkundeten wir auf eigene Faust die Stadt, staunten über die Kreuzfahrtschiffe im Hafen und brachten das eine oder andere Souvenir mit nach Hause. 

Tag 8 – Lassithi-Hochebene

An unserem vorletzten Tag auf Kreta ging es noch einmal hoch hinaus in das Dikti-Gebirge, genauer gesagt auf die Lassithi-Hochebene, die sich auf etwa 800 Metern Höhe befindet. Sie ist bekannt für ihre große Anzahl von Höhlen, die bekannteste ist die Psychro-Höhle, der Geburtsort des Göttervaters Zeus. Nach unserer Rundtour über das Plateau und einigen Stopps in Krasi sowie am Marienkloster Kera Kardiotissa durften wir auch in dieser Region auf die kulinarischen Empfehlungen von Eirini vertrauen. Im Restaurant „Seli Ambelou“ gab es unter anderem traditionell zubereitetes Fleisch aus dem Holzofen. Nun ging auch dieser Tag langsam zu Ende, und wir machten uns über die zahlreichen Serpentinen wieder auf den Weg zum Hotel. 

Tag 9 – Heraklion und Rückflug nach Leipzig/Halle

Nun war er auch schon da, der letzte Tag in der Karibik Europas. Nach einem sonnigen Frühstück holte uns Savas wieder pünktlich ab und chauffierte uns noch einmal nach Heraklion für ein letztes Shoppingerlebnis. Der eine oder andere fand noch Platz im Koffer für Olivenöl oder ein Glas Thymianhonig. Unser Rückflug verlief ohne Probleme und wir landeten wieder sicher gegen 18:25 Uhr in Leipzig/Halle. 

Mein persönliches Fazit 

Es war der große Wunsch meines Vaters, ihn auf dieser Reise zu begleiten. Mein Opa Herrmann war während des Zweiten Weltkrieges unter anderem auf Kreta als Funker stationiert. Ich habe diese Reise mit gemischten Gefühlen begonnen, da ich nicht genau wusste, was auf mich zukommt. Rückblickend muss ich sagen, dass es gut war, dass wir diese Reise gemeinsam gemacht haben. Der Volksbund LV Thüringen hat hier in Kooperation mit der Fa. Biermann Reisen eine rundum stimmige Reise geschaffen. Sie zeigte mir persönlich, wie wichtig die Arbeit des Volksbundes im In- und Ausland ist – und dass diese Arbeit noch immer viel zu wenig Bekanntheit hat. Die Reise mahnte mich außerdem, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und es sich immer lohnt, für ihn einzutreten. Das Leid, das Kriege damals wie heute über die Menschheit bringen, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle an Eirini Kastellianaki, Anja Zückmantel, Sean Johnstone und Sebastian Fehnl richten. Sie haben diese Reise für uns Teilnehmende erlebbar und nahbar gemacht. Euer Wissen und euer Leuchten in den Augen beim Erzählen der Geschichten zeigen, wie sehr ihr für diese Sache brennt. 

Die Mischung aus Militärhistorik, Erinnerung, Mahnung und griechischer Kultur war einmalig. 

Michael Engelke, 39 Jahre, Neustrelitz