Tag 3 – Tavronitis, Kloster Gonia, Kakopetros, Floria und Kandanos
Der Tag begann mit einer Fahrt zur historischen Brücke über den Fluss Tavronitis. Dort erwartete uns bereits Sean Johnstone, ein ehemaliger Offizier der Royal Navy. Während der „Operation Merkur“ war die Brücke hart umkämpft; bis heute ist sie als frei zugängliches Mahnmal erhalten und trägt sichtbare Spuren der damaligen Kämpfe. Anschließend gingen wir nur wenige Meter weiter zur Andachtsstätte der Royal Air Force, wo wir das neu gestaltete Memorial besuchen durften. Sean berichtete von seinen Recherchen zu einem der Gefallenen, „ACI Hess“, und dessen persönlichem Schicksal. Dieser Soldat kämpfte während des 1. Weltkrieges auf Seiten des Deutschen Kaiserreiches, war Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klasse und emigrierte schließlich 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozilisten nach Palästina. Mit Beginn des 2. Weltkrieges meldete er sich dann freiwillig zum Militärdienst auf Seiten Großbritanniens. Während Seans Erzählung wurde deutlich, dass dieser Soldat genau an diesem Tag vor 85 Jahren – nahezu zur selben Uhrzeit – in unmittelbarer Nähe gefallen war. Ergriffen hielten wir inne und legten eine Schweigeminute ein. Unser Reiseteilnehmer Rainer sprach dabei das „Vaterunser“ auf Deutsch und Englisch.
Anschließend ging es für uns weiter zum Denkmal der gefallenen griechischen Kadetten der Militärakademie. Sie hatten ihr Leben bei der Verteidigung der Insel gegen die deutschen Truppen während der Schlacht um Kretas gelassen. Die Gedenkstätte auf einem Berg bot einen eindrucksvollen Blick über die Bucht vor Maleme.
In unmittelbarer Nähe dazu befindet sich das orthodoxe Männerkloster Gonia, das eine Zeit lang die Gebeine gefallener deutscher Soldaten aufbewahrte, bevor diese auf den deutschen Soldatenfriedhof Maleme umgebettet wurden. Unsere griechische Reiseleiterin Eirini gab uns hier einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte des Klosters und in den griechisch-orthodoxen Glauben. Anschließend setzte unsere Reisegruppe die Fahrt in den Süden der Insel in Richtung Kandanos fort. Dort angekommen, legten wir in der Taverne I Platia unsere Mittagspause ein. In dieser familiengeführten Taverne erwartete uns schon Samantha mit einer wunderbaren Auswahl authentischer kretischer Küche. Bei kretischem Salat, hausgemachter Moussaka und weiteren Spezialitäten wurde die Mittagspause zu einem besonderen kulinarischen Erlebnis.
Bei aller Kulinarik durfte jedoch nicht in Vergessenheit geraten, welches Kriegsverbrechen am 3. Juni 1941 in diesem Dorf von Angehörigen der deutschen Wehrmacht begangen wurde. Kandanos wurde als Vergeltungsmaßnahme für die Tötung deutscher Soldaten durch einen Hinterhalt kretischer Widerstandskämpfer auf Befehl von Generaloberst Karl Student dem Erdboden gleichgemacht; mehrere Einwohner wurden ermordet. Zur Erinnerung sind Kopien der Originaltafeln, die von den deutschen Besatzern zur Abschreckung aufgestellt wurden, an einem kleinen Gedenkplatz in der Dorfmitte ausgestellt. Wie bereits an den anderen Gedenkorten hielten wir auch hier inne, legten eine Schweigeminute ein und legten Blumen nieder – zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer, unabhängig von ihrer Nationalität. Auf der Rückfahrt zum Hotel hielten wir noch an einigen kleineren Märtyrerdörfern, wo uns Anja Zückmantel weitere Geschichten zu den Kriegsverbrechen der deutschen Besatzer näherbrachte. Nun ging auch dieser prall gefüllte Tag langsam zu Ende und fand seinen Abschluss bei einem kühlen Bier in einer der zahlreichen Tavernen in der Altstadt von Chania.