Meldungen aus dem Landesverband Thüringen

Mit Eimer und Bürste gegen das Vergessen

Der 22.06.1941 war der Tag, an dem die Wehrmacht den Überfall auf die Sowjetunion startete. Der Tag, an dem das gewaltvolle „Unternehmen Barbarossa“ in die Tat umgesetzt werden sollte und der Deutsch-Sowjetische Krieg begann. Millionen Menschen starben oder wurden schwer verletzt. 
Anlässlich dieses Datums, das sich nun zum 80. Mal jährte, rief der Jugendarbeitskreis (JAK) Thüringen am 26.06.2021 zum Arbeitseinsatz auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof beim Schloss Belvedere in Weimar auf. Die Grabsteine wurden bis zum frühen Nachmittag mit Wasser und Seife geputzt, sowie Flechten und Moos entfernt. Dabei wurden die knapp zehn Jugendlichen des JAK tatkräftig von Angehörigen der Reservistenkameradschaften Tonndorf und Weimar unterstützt. Teilweise dienten die Reservisten bereits zu DDR-Zeiten in der Nationalen Volksarmee und es ergaben sich einige Gespräche, die die verschiedenen Generationen zusammenführten. 
Werner Dehne, dessen großes Hobby das Wirken im Reservistenverband Tonndorf ist, erzählte, wie er die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 hautnah miterlebte. „Ich möchte gerade was dieses Thema angeht ein Vorbild für die Jugend sein (…) Jung und Alt sollten viel öfter zusammenarbeiten“, sagte der 73-Jährige, während er die russischen Inschriften auf einem Grabstein von Schmutz befreite. Auch Lissy Liebeskind schätzte das Zusammenkommen an diesem 26.06. sehr. Sie ist seit Mai dieses Jahres Beisitzende im Vorstand des JAK Thüringen. Für die 20-Jährige war es der erste richtige Arbeitseinsatz, auf dem sie nicht nur einiges über das Friedhofsgelände, sondern auch über die Thematik rund um den Überfall auf die Sowjetunion und ihre Folgen erfuhr. „Heute kamen hier viele unterschiedliche Menschengruppen zusammen: Schülerinnen, Studierende, und Reservisten…das verbindet uns alle.“, erzählte sie.  
Der Friedhof auf dem Schlossgelände, bis 1945 ein kaum genutzter Friedhof für Nationalsozialisten, wurde im April 1946 auf Befehl der sowjetischen Militäradministration zu einem sowjetischen Ehrenfriedhof umgewidmet. Die großen Eichen, die auch heute noch dort stehen, erinnern jedoch nur noch vage an ein nationalsozialistisches Relikt. Soldaten der Roten Armee, die teilweise unmittelbar nach dem Kriegsende starben, aber auch Zivilsten (und Kinder), liegen auf dem Gelände begraben. Insgesamt sind es 2027 Menschen, die seit 1946 bis 1975 dort bestattet wurden und ihre letzte Ruhe fanden. Im Weimarer Ilmpark befindet sich des Weiteren noch ein sowjetischer Ehrenfriedhof. Neben Diskussionen zur Geschichte wurde auch über die Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements und die Pflege von Kriegsgräberstätten allgemein gesprochen. Oberstleutnant d.R. Mathias Werner besuchte als Landesvorsitzender der Thüringer Landesgruppe der Reservisten den Pflegeinsatz und teilte mit, dass die Kooperation zwischen dem Volksbund und den Reservisten u.a. in Bezug auf die Pflege der Kriegsgräberstätten sehr wichtig, aber auch noch ausbaufähig sein. Ihm selbst liege das Thema persönlich und im Rahmen des Soldatenseins sehr am Herzen. 

 

Leonie Thenent, JAK Thüringen
 

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