Am 09. und 10.03.2026 hatte ich, gemeinsam mit ausgewählten Schülern der Jenaplanschule, des Humboldtgymnasiums und der Carl-Zeiss-Schule aus Weimar, meine Ausbildung zum Peer Guide absolviert. Doch was ist ein Peer Guide? Ein Peer Guide ist eine Person, die durch Ausstellungen oder andere Formen der Vermittlung von Wissen und Informationen andere Jugendliche oder Gleichaltrige begleitet und unterstützt. D.h. man trägt nicht vor, sondern die Besucher sollen selbst Dinge herausfinden und sich eine Meinung zu diesem Thema bilden. Diese Ausbildung hat mir viel Spaß gemacht. Bspw. haben wir verschiedene Methoden gelernt, wie wir Ausstellungsbesuchern das Leben von Anne Frank näherbringen können. Unter anderem dadurch, dass man die Besucher selbst Stichpunkte zu einzelnen Lebensabschnitten von Anne machen und diese dann den anderen näherbringen, oder dass wir die Besucher ihren groben Tagesablauf aufsagen lassen und dann anhand der Anti-Jüdischen-Gesetze deutlich aufzeigen, was alles Verboten wurde – nämlich so gut wie alles.
Meine Erfahrungen als Bundesfreiwilliger und Peer Guide im Projekt „Deine Anne - Ein Mädchen schreibt Geschichte“
Führung über Kriegsgräber und weitere Gedenkorte
Doch da ich nicht nur als Peer Guide, sondern auch für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberführsorge e.V. als Bundesfreiwilliger an dem Projekt beteiligt war, durfte ich nicht nur in der Ausstellung zu Anne Frank im Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus Führungen übernehmen. Ich war außerdem mit meinem Kollegen Herr Fehnl auf dem Weimarer Hauptfriedhof unterwegs. Auf diesem führten wir Schulklassen zu Kriegsgräbern, Gräbern von Widerstandskämpfern und Verfolgten des Naziregimes und verbanden die Gedenkorte des Friedhofes und seines Krematoriums mit dem Konzentrationslager Buchenwald, von wo zwischen 1937 bis 1940 die dort ermordeten Menschen, in das Friedhofskrematorium gebracht und eingeäschert wurden.
Die Geschichte von Kurt Nehrling
Besonders interessierte mich die Geschichte von Kurt Nehrling, einem Kriegsfreiwilligen im Ersten Weltkrieg, der allerdings aufgrund seiner Erkrankung an Lungentuberkulose ausgemustert wurde. Nach dem Krieg trat er in die SPD ein, mit deren Ortsverband Weimar er sich auch nach der Machtübernahme der NSDAP traf. 1943 wurde er wegen Aussagen gegen den Krieg und die NS-Regierung zum Tode verurteilt und im Dezember ermordet.
Was wäre, wenn?
Für Schulklassen, die jeweils über den Friedhof und durch die Ausstellung geführt wurden, gab es die Möglichkeit, an weiteren Workshops teilzunehmen. Diese gingen 2 Tage, mit der Mal- und Zeichenschule Weimar und mit der EJBW. Ich hatte die Möglichkeit, an beiden Workshops teilzunehmen. Mit der Mal- und Zeichenschule wurde eine Art Bilderbuch über Anne Franks Leben gestaltet. Dieses Buch hatte drei Ebenen: in der Mitte war das wirklich Geschehene, darunter waren Annes Träume zu dem Zeitpunkt und darüber gab es die Möglichkeit, selbst in die Geschichte einzugreifen, d.h. ein „Was wäre, wenn?-Szenario zu erschaffen. Z.B. was wäre, wenn das Stauffenberg Attentat gelungen wäre? Diese Idee fand ich sehr interessant und es hat viel Spaß gemacht. Am zweiten Workshoptag haben wir mit einem Mitarbeiter der EJBW mit Hilfe von Spielen über Gleichberechtigung diskutiert und uns darüber ausgetauscht, wie man eine fairere Gesellschaft aufbauen kann.
Das Projekt wird durch das EU-finanzierte Projekt GEAR UP! (Global citizenship Education Actions to strengthen youth engagement through local support to Las and CSOs, to accelerate Progress towards sustainable development) unterstützt, dessen Projektträger in Deutschland, das Eine Welt Netzwerk Thüringen ist.
Auch die Bürgerstiftung Weimar hat das Projekt finanziell unterstützt.
Ein Kooperationsprojekt von: Anne Frank Zentrum e. V., Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, Staatliches Schulamt Mittelthüringen, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - Landesverband Thüringen, Europäische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Weimar (EJBW), Weimarer Mal- und Zeichenschule.
Arthur Schulz
Bundesfreiwilligendienstleistender