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Meldungen aus dem Landesverband Thüringen
Meldungen aus dem Landesverband Thüringen

JAK-Pflegeeinsatz auf dem Jenaer Nordfriedhof

Eine Gelegenheit, über die vielschichtigen Schicksale unterschiedlichster Menschen nachzudenken

Am Samstag, 30. Mai 2026, traf sich der Jugendarbeitskreis Thüringen zum Pflegeeinsatz auf dem Jenaer Nordfriedhof. Acht junge und jung gebliebene Erwachsene befreiten Gräber von Unkraut, Moos und Schmutz. Auch der Geschäftsführer des Landesverbandes Thüringen Henrik Hug und Bildungsreferent Sebastian Fehnl unterstützten die Gruppe beim Einsatz. Dabei hatten wir auch Gelegenheit, Näheres über die betroffenen Kriegsopfer zu erfahren. 

Auf dem Jenaer Nordfriedhof liegen verteilt mehrere Kriegsgräberstätten; darunter ein Grabfeld für verstorbene Soldaten des Ersten Weltkriegs, für Verfolgte des Naziregimes, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Bombenopfer, ausländische Kriegstote sowie eine Anlage für sowjetische NS-Opfer. Die Grabfelder sind unterschiedlich gestaltet. Sie geben Aufschluss über den Kontext ihrer Zeit. Es gibt einfache liegende Steinplatten, aufrechte Grabkreuze oder rund angeordnete mannshohe Steinpfeiler. Bei einigen wurden Runen verwendet, um Geburts- und Sterbedatum zu kennzeichnen. Bei den in diesem Einsatz gepflegten Gräbern handelte es sich vorrangig um Personen, die während der Bombardierung Jenas im März 1945 ums Leben kamen. Die Zahl der Toten erreichte dabei mehr als 140, es gab circa 100 Schwerverletzte und über 8.000 Obdachlose. 
 

Italienischer Zwangsarbeiter stirbt durch Unfall kurz vor Kriegsende

Während des Gangs über die Grabanlagen und beim Putzen der Steine liest man Namen von Männern, Frauen und Kindern. Sie regen zum Nachdenken und Fragenstellen an. Welches Schicksal steckt hinter den eingravierten Buchstaben? Ein Name unter Dutzenden war Mario Suardi. Der Italiener musste Zwangsarbeit im NS-Rüstungswerk Reimahg nahe Kahla leisten. Er wurde während des Zwangsdienstes von einem LKW überfahren und starb mit nur 18 Jahren. Mario Suardis Tod zeigt beispielhaft, wie vielschichtig die Beschäftigung mit Kriegsgräberstätten sein kann. Denn: Wäre er nicht Zwangsarbeiter im Kontext des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gewesen, wäre es zu diesem Unfall nicht gekommen. Mario Suardi gilt deshalb als Opfer im Kontext des Kriegs, womit ihm ewiges Ruherecht gewährt ist. 

Auch der Familienname ‚Buffy‘ fiel den Jugendlichen beim Saubermachen ins Auge. Gleich doppelt tauchte er nur wenige Steine voneinander entfernt auf. Bei den beiden Frauen handelt es sich um Mutter und Tochter. Geboren in Frankreich, flohen sie im Verlauf des Kriegs nach Dresden und schließlich nach Jena. Sie starben dort schließlich bei einem Bombenangriff, dem sie vormals zu entkommen versuchten. 

Der Pflegeeinsatz war lehrreich und regte einige Diskussionen und stille Gedanken an. Er bot Gelegenheit, über die vielschichtigen Schicksale unterschiedlichster Menschen nachzudenken, sie einzuordnen und zu reflektieren. 

Text: Leonie Thenent, JAK-Vorsitzende